Riester behalten, wechseln oder neu anfangen?
Deinen Riester-Vertrag darfst du behalten: Er läuft nach der Reform mit den alten Regeln weiter, und nach bisherigem Stand muss niemand bis zu einem Stichtag wechseln. Ab dem 01.01.2027 hast du daneben drei Wege: die neue Zulage für deinen bestehenden Vertrag wählen, das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen oder den Vertrag ruhen lassen und neu anfangen. Welcher Weg nach deinen Zahlen vorn liegt, hängt an zwei Fragen, nämlich welche Zulage dir mehr bringt und was dein Vertrag wert ist; Kündigen ist dagegen fast nie die bessere Wahl.
Der Rechner vergleicht Bleiben mit dem Übertragen ins Altersvorsorgedepot und zeigt in einem Satz, wie viel Euro das voraussichtlich ausmacht, mit drei verstellbaren Szenarien für die Rendite.
Was sich ändert
Das Altersvorsorgereformgesetz ist beschlossen. Ab dem 01.01.2027 gibt es statt neuer Riester-Verträge das Altersvorsorgedepot, ein gefördertes Depot. Einzelne Teile gelten schon früher, andere erst später. Das Gesetz kennt drei Kategorien:
- Standarddepot: feste Voreinstellung, Kosten höchstens 1 % im Jahr, keine Garantie.
- Freies Altersvorsorgedepot: Du wählst die Fonds selbst, ohne Kostendeckel.
- Garantieprodukt: Deine Beiträge sind zum Ende der Ansparphase ganz oder größtenteils zugesagt; Sicherheit kostet Ertrag.
Mehr dazu auf der Seite Altersvorsorgedepot 2027.
Für bestehende Verträge gilt Bestandsschutz. Sie werden weder automatisch umgestellt noch beendet.
Frage 1: Welche Zulage bringt dir mehr?
Die Zulage ist das Geld, das der Staat auf deinen Vertrag überweist. Der Eigenbeitrag ist das, was du selbst einzahlst.
Alte Zulage: Du bekommst eine feste Grundzulage von 175 € und je Kind mit Kindergeld eine Kinderzulage, für Kinder ab Geburtsjahr 2008 in Höhe von 300 €. Die volle Zulage gibt es nur, wenn du den Mindesteigenbeitrag zahlst, einen Anteil deines Einkommens aus dem Vorjahr; wie er sich berechnet, steht auf der Seite Riester-Zulage 2026 sichern. Zahlst du weniger, wird die Zulage im selben Verhältnis gekürzt.
Neue Zulage: Sie wächst mit deinem Eigenbeitrag. Auf die ersten 360 € im Jahr gibt es 50 %, auf den Teil bis 1.800 € noch 25 %. Das ergibt höchstens 540 € Grundzulage. Je Kind kommen bis zu 300 € dazu, nach Lesart des Finanzministeriums (laut Zusammenfassung der BMF-FAQ) schon ab 300 € Eigenbeitrag für jedes Kind. Ob diese Lesart gilt, ist noch offen (mehr auf der Seite Wie viel Zulage bekomme ich?). Unter 120 € im Jahr gibt es laut Sekundärquellen keine Zulage, auch keine anteilige.
Grob gilt für die Zulage: Wer einen mittleren Beitrag zahlt, bekommt neu meist mehr Zulage. Bei hohem Einkommen ohne Kinder ist die Förderung mit Steuer neu nicht unbedingt höher; das hängt an einer offenen Gesetzesfrage. Wer wenig verdient, Kinder hat und nur einen kleinen Mindesteigenbeitrag zahlt, fährt mit der alten Zulage oft besser. Mehr auf der Seite Alte oder neue Zulage.
Zur Förderung gehört auch die Steuer: Beiträge lassen sich als Sonderausgaben absetzen, und das Finanzamt gibt dir das Höhere aus Zulage und Steuerersparnis (die Günstigerprüfung).
Für die neue Zulage reicht laut den Quellen eine formlose Erklärung bei deinem Anbieter (der Förderwechsel); die Vertragsbedingungen bleiben gleich. Diesen Weg rechnet der Rechner nicht eigens.
Frage 2: Was ist dein Vertrag wert?
Das betrifft viele Menschen: Rund 66 %6 aller Riester-Verträge sind Versicherungen. Hier zählen vier Dinge:
- Vertragsart: Versicherung klassisch, Versicherung fondsgebunden, Fondssparplan oder Banksparplan. Steht in deinem Vertrag oder in der Jahresmitteilung.
- Abschlussjahr: Bei Versicherungen bestimmt es den Garantiezins, also den Zins, den der Versicherer auf den Sparanteil deiner Beiträge zusagt. Verträge aus den frühen Riester-Jahren haben oft einen deutlich höheren Garantiezins als neuere, dazu manchmal einen günstigeren Rentenfaktor (wie viel Rente du je gespartem Betrag bekommst).
- Kosten: Die Effektivkosten zeigen, wie viel Rendite die Kosten im Jahr aufzehren. Du findest sie im Produktinformationsblatt, bei älteren Verträgen oft gar nicht.
- Zeit bis zur Rente: Je länger, desto stärker wirken Kosten und Rendite.
Wann Bleiben passt
Bleiben passt eher, wenn
- du eine Versicherung mit hohem Garantiezins aus den frühen Jahren hast,
- nur noch wenige Jahre bis zur Rente bleiben,
- dein Fondssparplan vertretbare Kosten hat und du ihn weiter besparen kannst,
- dein Banksparplan günstig ist und dir Schwankungen nicht liegen,
- oder die alte Zulage für dich klar höher ist.
Bleiben ist eine gute Antwort: Wer bleibt, kann nach heutigem Stand später noch wechseln.
Wann Übertragen eher passt
Übertragen heißt: Dein Guthaben wandert in ein Altersvorsorgedepot, Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, ab dann gilt das neue Recht. Das passt eher, wenn dein Vertrag jung und teuer ist, der Garantiezins niedrig ist, noch viele Jahre bis zur Rente bleiben und dir eine Garantie nicht wichtig ist.
Bedenke, was du aufgibst: Garantiezins, Rentenfaktor und die Beitragsgarantie gehen verloren. Die Beitragsgarantie ist die Zusage, dass zu Beginn der Rente mindestens deine eingezahlten Beiträge und die Zulagen zur Verfügung stehen. Außerdem beginnt die Auszahlung im neuen System laut Sekundärquellen später als bei Riester.
Zu den Kosten: In den ersten 5 Vertragsjahren darf der alte Anbieter höchstens 150 € verlangen, danach ist der Wechsel kostenlos.
Ruhen lassen und neu anfangen
Du stellst den alten Vertrag beitragsfrei: Du zahlst nichts mehr ein, das Guthaben bleibt angelegt, Zulagen und Steuervorteile bleiben dir. Neue Beiträge gehen in ein Altersvorsorgedepot. Das passt eher, wenn dein alter Vertrag gute Bedingungen für das vorhandene Geld hat, du neue Beiträge aber günstiger anlegen willst.
Warum Kündigen fast immer teuer ist
Kündigst du ohne Übertragung, zahlst du alle Zulagen und Steuervorteile zurück, und die Erträge werden besteuert. Wenn du nicht mehr zahlen kannst, ist Ruhenlassen fast immer günstiger. Mehr dazu auf der Seite Riester kündigen.
Sonderfälle
Bei Wohn-Riester, einer Scheidung oder einer Erwerbsminderung reicht eine allgemeine Rechnung nicht. Der Rechner verweist dann auf Beratung, etwa bei der Verbraucherzentrale.
Kurz gefragt
Muss ich etwas tun?
Nein. Dein Vertrag läuft mit der alten Zulage weiter. Einmal nachzurechnen lohnt sich trotzdem.
Gibt es eine Frist?
Für Bestandsverträge ist kein gesetzlicher Stichtag bekannt. Bekannt sind bisher nur vertragliche Fristen, etwa die Kündigungsfrist für eine Übertragung.
Was kostet eine Übertragung?
Nach den Quellen höchstens 150 € in den ersten 5 Vertragsjahren, danach nichts; für Altverträge ist das noch offen. Der größere Preis ist oft ein hoher Garantiezins, den du aufgibst.
Kann ich später zur alten Zulage zurück?
Nach heutigem Stand nicht. Der Förderwechsel gilt laut Sekundärquellen endgültig und für alle deine Riester-Verträge. Deshalb lohnt er sich nur bei einem klaren Vorteil.
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